Ausgabe Nr. 38                         Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung älterer Erwachsener
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Stadt im Sand
Dubai – aus der Wüste himmelwärts

                                                                    von Clemens Thelen

Dhau in Fahrt, Creek, Foto: privat

Reise in die Wüste
Als ich im März 2007 von Delhi kommend in Dubai Airport landete, hatte ich mich auf ein paar erholsame Tage am Strand von Dubai eingestellt, quasi als lockeren Ausklang meiner soeben beendeten, sehr beeindruckenden Reise durch Nordindien. Was ich aber hier sah, ließ mich nicht einfach im Liegestuhl am Strand des Oasis Beach Hotel relaxen, sondern machte mich neugierig auf eine gigantische Stadt, die in ihren Dimensionen mal so eben in gut 10 Jahren aus der Wüste gestampft wurde: Dubai – Stadt im Sand, die wegen ihrer Gigantomanie einfach besticht.
Der Kernbereich der Stadt, Alt-Dubai, ist reizvoll mit seinen typisch arabischen Gässchen, dem Gold- und Gewürzsouk, einer quirlig lebendigen  Fisch- und Gemüsehalle, sowie einem alles in allem idyllischen Handelshafen am Creek von Dubai - mit Dhaus (Frachtschiff) und Abras (Wassertaxi). Diese Altstadt-Idylle findet man vor einer allerdings imposanten Skyline von Dubai, mit seinen immer höher und größer werdenden Wolkenkratzern. Dubai – aus der Wüste himmelwärts!


V.A.E.

Die Golfstaaten rüsten sich anscheinend für die Zeit nach dem Ölboom. Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage zwischen dem Westen und Asien zur einer Handelsdrehscheibe und einem Touristenzentrum werden. Allein in Dubai werden in den nächsten zwei Jahren 40 neue Fünf-Sterne-Hotels gebaut, und der Flughafen soll eine Kapazität von 120 Millionen Passagieren bekommen. Dubai ist vor allem für seine vielen spektakulären Bauprojekte bekannt. An keinem anderen Ort der Welt entstanden in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts so viele weltweit Aufsehen erregende Bauwerke wie in Dubai. 3/4 aller Baukräne der Welt stehen derzeit in Dubai!


Dubai
„Einmal träumen- Unter dem Fünf-Sterne-Himmel der Luxushotels“. Dies ist die Schlagzeile eines GEO-Spezials von Anfang 2007.

GEO Special  - Dubai, Emirate und Oman, Foto: GEO 1/ 2007

Dubai - größer, schöner, teurer: Das Golfemirat Dubai setzt seine gigantischen Bauprojekte trotz ökologischer Bedenken in atemberaubendem Rhythmus fort. Eine der ersten künstlichen Inseln, "Palm Jumeirah", wurde Ende 2006 bezugsfertig.
Auf dem aufgeschütteten Eiland in Form einer etwa fünf mal fünf Kilometer großen Palme – die man als Besucher allerdings nur erahnen kann, weil man die Insel als Tourist nicht befahren darf - konnten die ersten Besitzer von rund 4000 Wohnungen und Villen Einzug halten. Doch die Belastung der Natur nimmt zu.


Stadt im Sand
Wer heute Dubai aus Deutschland ansteuert, hat gute 6 Stunden Flug vor sich. Dubai Airport übertrifft alles, was man bisher an Luxus auf Flughäfen gesehen hat. Zollabfertigungshalle mit ca. 30 Abfertigungsreihen, um dem Ansturm der Gastarbeiter (Bauarbeiter vorwiegend aus Indien, Pakistan und Iran) gerecht zu werden, Duty-Free-Mall ohne Ende, in Marmor und Glanz, wohin das Auge blickt! Wer heute nicht glauben will, dass Dubai die Drehscheibe der Welt werden wird, der möge hinfliegen. Es lohnt sich, zumindest es einmal gesehen zu haben. Im Südwesten der Stadt entsteht derzeit Jebel Ali International Airport (neu), etwa 4x so groß wie der heutige Dubai-Airport (alt)…... mitten in der Wüste.
Das größte Ikea-Haus entsteht ebenfalls  in Dubai.


Burj Dubai
In Dubai wird zur Zeit u.a. am höchsten Turm der Welt gebaut, dem „Burj Dubai“ (Turm-Dubai). Um die Konkurrenz zu verunsichern, soll die genaue Höhe des Gebäudes aber erst nach Fertigstellung bekannt gegeben werden. Tatsächlich behaupten die Entwickler, die genaue Höhe sei noch nicht einmal verabschiedet. Die Finanziers wollen eben sicher sein, dass in Dubai das höchste Gebäude der Welt entsteht.

Höhe: 705 Meter (unbestätigt)
Stockwerke über der Erde: ca. 200
Baustart: 2004
Bauende: 2008
Architekt: Skidmore, Owings & Merrill


Burj Al-Arab

Burj Al Arab, Foto: privat

Für die moderne Seite des Emirats, für das Dubai der Wolkenkratzer und irrwitzig erscheinenden Großprojekte, steht das Burj Al-Arab (Bauzeit: 1994-1999), der „Finger Allahs im Persischen Golf“: Das Luxushotel in der Form eines überdimensionalen Segels ist mit 321 Metern höher als der Eiffelturm.  Es ist eines der luxuriösesten und teuersten Hotels der Welt mit 28 Etagen und 18 Aufzügen und nur 60 m kleiner als das Empire State Building. Das Fundament der Anlage bildet eine künstliche Insel 260 m vor dem Strand von Jumeirah. Seine Stützpfeiler ragen noch einmal 40 bis 45 m in den Meeresgrund, um ein festes Fundament im Sandboden zu gewährleisten. Das Burj al Arab wird häufig von der Presse als „einziges 7-Sterne-Hotel der Welt“ bezeichnet. Offiziell trägt es nur die maximal zu vergebenden fünf Sterne.
Aber das alles erscheint erst wie der Auftakt, die Startphase zu einem viel größeren Projekt. Denn von dem Dubai, das sich die Regierung vorstellt, sind nach deren eigener Einschätzung erst zehn Prozent umgesetzt. Am Rest wird noch gebaut.


Creek

Skyline am Creek, Twin Towers, Foto: privat

Dubai - Am Creek von Dubai geht es ruhig zu. Fast 15 Kilometer ragt der Meeresarm in die Wüste. Ohne ihn wäre die Stadt am Persischen Golf gar nicht entstanden. Immer noch liegen hier Dhaus am Kai, die traditionellen Frachtschiffe, mit denen die Händler des Emirats seit Jahrhunderten den Warenverkehr nach Indien, Pakistan oder in den Iran organisieren.
Der Creek teilt Dubai in zwei Hälften. Wer von einer in die andere möchte, setzt mit einem kleinen, Abra genannten Holzboot mit Dieselmotor über.



Abra auf dem Creek, Foto: privat

Und wer es nicht eilig hat, kann mit so einem Wassertaxi auch den Creek entlang schippern und die Stadt an sich vorbeiziehen lassen. Die Fahrt ist wie eine Reise in die Architekturgeschichte des Emirats.


Battuta Mall

Battuta Mall, Dubai, Foto: privat

Gigantomanie könnte man sagen, wenn man es gesehen hat. Der Superlativ übersteigt alles, was man an Einkaufszeilen, Einkaufshäusern, Outlets oder Zentren gesehen hat. Zwar ist mir nicht ganz klar, wer dort alles kaufen soll, aber es wird alles angeboten und zwar in überdimensionalen Malls, die man am besten mit einem Taxi ansteuert. Hier sind alle großen Marken der Welt vertreten, alle! Touristen kommen aus den Hotels, von wo sie nach regelmäßigen Fahrplänen abgeholt und wieder zurückgebracht werden, morgens, mittags und abends.
Die größte Mall von Dubai heißt „Emirates Wall“, unendlich lang, unendlich quer, auf mehreren Stockwerken. Hier habe ich mich glatt verlaufen, was aber eigentlich nichts Ungewöhnliches ist. Irgendwie landet man immer wieder an irgendeinem riesigen Ausgangstor (es muss ein Riesen-Tor sein, eine große Flügeltüre wäre einfach zu primitiv), wo sich eine Schar von Taxifahrern anbieten, Dich ins Hotel zurück zu fahren, für umgerechnet ca. 5 Euro. Das ist so ziemlich das einzige, was in Dubai billig ist.


Emirates Towers
Die Emirates Towers sind zwei zusammengehörende Wolkenkratzer in Dubai, der Emirates Office Tower und der Jumeirah Emirates Towers Hotel. Sein Zwillingsturm, der Emirates Office Tower (auch Emirates Towers One), ist mit 354 Metern Höhe und 56 Stockwerken nach der Baustelle des Burj Dubai das zweithöchste Gebäude Dubais. Er beherbergt vornehmlich Büros. Im Sockel des Gebäudes befindet sich zudem das luxuriöse Einkaufszentrum „The Boulevard“.


Kultur
Auf internationales Niveau soll die arabische Kultur nach Plänen der Regierung der Emirate gehoben werden. Dafür gibt es zentrale Pläne: Die Buchmesse von Abu Dhabi meldete jüngst Besucherrekorde. Sie wird erstmals in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse durchgeführt. 5000 Titel Weltliteratur sollen ins Arabische übersetzt werden. Bauwerke der Superlative entstehen: das höchste Haus, das teuerste Hotel, die künstlichste Insel. Die spannendste Kulturmeile soll errichtet werden mit Museen und Konzerthallen für Kulturhungrige aus aller Welt. Auch ein Louvre Abu Dhabi gilt als beschlossene Sache.


Olympiade
Und als ob noch nicht genug Größenwahn, Insider munkeln schon, dass die riesige Winterhalle „Ski-Dubai“ mitten in der Wüste bereits als Pilotprojekt für noch verrücktere Winterabenteuer der Metropole Dubai gilt. Olympische Winterspiele 2022 in Dubai? Das klingt nicht nur gigantisch, es wäre verrückt und ein Frevel an der Umwelt. Nicht nur die alten Kulturnationen der arabischen Welt Ägypten und Syrien halten die Emirate für Emporkömmlinge mit viel Geld.


Giga-City
Wenn all die Pläne wahr werden, dann wird Dubai bald eine Art hypermoderne Giga-City sein, die modernste Stadt in weitem Umkreis, eine Mischung aus Istanbul und Singapur, Bangkok und New York. "New York des Nahen Ostens" wird Dubai heute manchmal schon genannt, aber der Vergleich hinkt, auch wenn die Skyline stimmt.

Dubai – Stadt im Sand besticht, ja!
Es ist sehr beeindruckend, was sich der Mensch  so alles zu Eigen machen kann: Insel- (Land-) Gewinnung im Meer, riesige Entsalzungsanlage, Wolkenkratzer ohne Ende, Einkaufswelten aus dem Nichts, 6-spurige Verkehrswege, Metro, Sportanlagen (das größte [und teuerste] Pferderennen der Welt ist Ende März – ein Riesenevent „mit viel Hut“!), Skidome in der Wüste, Superlative eines modernen Städtebaus. Und alles in kürzester Zeit, das besticht!  In Dubai beherrscht der Mensch die Natur – anscheinend. Denn seine Veränderungen bergen auch Gefahren für Umwelt und Natur, und damit für die Nachwelt. Das sollte dem Besucher von Dubai auch bewusst sein.  Dubai – gigantisch, aber so schnell muss ich auch nicht wieder hin……

 
Links
www.die-wolkenkratzer.de/
www.heinzalbers.org/dubai.htm
www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_special/52624.html


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