Freiwilligenarbeit in Jyväskylä, Finnland: „Cultural Pilots“ – Kulturlotsen

Bärbel und Rolf-Peter König, ZAWiW und ViLE e.V., Germany

Eine besondere Form der Freiwilligenarbeit haben wir während unseres Aufenthalts in Finnland in der Stadt Jyväskylä anlässlich unseres Austausches im Rahmen des GRUNDTVIG SENIOR VOLUNTEERS PROJECT kennen gelernt, die Arbeit der Kulturlotsen.

Zunächst waren in diese spezielle Arbeit alle Museen der Stadt eingebunden und sorgten gemeinschaftlich für die Ausbildung der Kulturlotsen, die an fünf Abenden stattfindet. Mit der Zeit beschränkte sich diese Arbeit aber nicht nur auf den musealen Innenbereich, z.B. auf die Begleitung eines Besuchs in einer Ausstellung, der Teilnahme an Workshops in Museen u.ä., sondern das Arbeitsfeld verlagerte sich weiter nach außen, wo die Lotsen z.B. die Leute zu einem Kinobesuch ausführen, sie zu literarischen Lesungen oder zu Konzerten begleiten u.v.a.m. 
Mittlerweile gibt es sogar mobile Museen in Form von Exponatenkoffern, die von Kulturlotsen zu Menschen nach Hause gebracht werden, die in ihrer Mobilität stark beeinträchtigt sind und die an kulturellen Ereignissen sonst nicht mehr teilhaben könnten.
Ganz allgemein sind die Kulturlotsen dafür verantwortlich, dass Behinderte, Bedürftige und grundsätzlich Interessierte an Veranstaltungen von Kunst und Kultur, wie Theater, Konzert, Kunstausstellungen, Vorträgen u.v.a.m. teilnehmen können. Die Kulturlotsen erhalten eine fachliche Ausbildung im Kulturbereich.
Ihr Tätigkeitsfeld erstreckt sich über die gesamte Stadt. Bedürftige oder behinderte Personen werden ihnen z.B. vom Roten Kreuz vermittelt. Ihre Dienste nehmen u.a. auch Lehrer mit ihren Schülern, Ausländer oder Reisende aus anderen finnischen Regionen in Anspruch. Nahezu jeder kann sich der Informationen und Telefonnummern bedienen, die an allen möglichen Orten in der Stadt ausliegen oder bei der Stadt selbst, insbesondere bei der Koordinatorin des Lotsendienstes.
Wenn Probleme mit dem Transport auftreten, sei es aus gesundheitlichen oder materiellen Gründen, erhalten die betreffenden Personen vom Sozialamt oder Gesundheitsamt Hilfe z.B. in Form von Taxi-Gutscheinen, die auch für die Begleitperson gelten.
Es gibt inzwischen eine begleitende Forschung, die untersucht, wie sich die Teilhabe an den kulturellen Ereignissen der Umwelt bzw. deren Mangel auf das psychische und physische Wohlbefinden der Menschen auswirkt.
Diese besondere Idee wird in Jyväskylä konsequent umgesetzt. Und für diese Art der Freiwilligenarbeit gibt es keinerlei Nachwuchsprobleme, auch und gerade viele junge Leute beteiligen sich neben den Senioren an diesem Projekt.

 

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