Die Neu-Ulmer Zeitung schieb am 31.März 2005:

 

Wie die Amerikaner den Alltag bestimmten
Neue Broschüre über die Nachkriegszeit in Ulm und Neu-Ulm
Die Broschüre „Nachkriegszeit in Ulm 1945-1949" zeigt den Einfluss der amerikanischen Be­satzer in Ulm und Neu-Ulm auf. Sie ist erhältlich bei Veran­staltungen zum 60. Jahrestag des Kriegs­endes oder kann di­rekt beim Zentrum für allgemeine wis­senschaftliche Wei­terbildung der Uni­versität Ulm (Zawiw) bestellt werden. 13 Männer und Frauen haben bei ihrer Re­cherche intensiv in Archiven gegraben und Interviews ge­führt und beleuch­ten in der Schrift vie­le Facetten des All­tagslebens.
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Ulm(hib).
Wie hat sich die amerikanische Militärregie­rung auf den Alltag der Menschen in Ulm und Neu-Ulm ausgewirkt? Genau 60 Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen er­scheint eine Broschüre, die sich mit der un­mittelbaren Nachkriegszeit in der Doppel­stadt beschäftigt. Die Verfasser waren da­mals zwischen acht und 13 Jahre alt. „Diese Zeit ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, auch wenn wir noch Kinder waren" Alois Link von der Autorengruppe.
Der Zeitzeugen-Arbeitskreis möchte „der Geschichte Gesichter geben", nennt Mithe­rausgeberin Carmen Stadelhofer vom Zen­trum für Allgemeine Wissenschaftliche Wei­terbildung der Universität Ulm (Zawiw) das übergreifende Motto für die Arbeit der Grup-
pe. Die 13 Männer und Frauen haben zu ganz unterschiedlichen Fragestellungen in Archi­ven gegraben und Interviews geführt - ent­sprechend ihren persönlichen Vorlieben, In­teressen und eigenen Erfahrungen. Herausge­kommen ist ein umfangreiches Werk, das viele Facetten des Alltagslebens beleuchtet. Hans Scherb beschreibt beispielsweise die Schwie­rigkeit, einen geordneten Schulunterricht zu halten: Lediglich die Wagner- und die Fried­richsauschule waren nahezu unbeschädigt ge­blieben, die meisten Buben und Mädchen drückten die Schulbank in Gaststätten, Bara­cken oder anderen Provisorien. Zur Raumnot kam der eklatante Lehrermangel. Und dann gab's da noch den Versuch der Amerikaner, das Baseball-Spiel an den Schulen einzufüh­ren, wie Scherb berichtet. Immer wieder stieß die Arbeitsgruppe bei ihren Recherchen auf
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Kurioses oder bisher wenig beachtete Ent­wicklungen. Brigitte Nguyen-Duong beschäf­tigte sich zum Beispiel mit dem Überparteili­chen Frauenarbeitskreis (ÜFAK) und stellte fest, dass die Frauen damals sozial und poli­tisch eine ganze Menge bewegt haben.
Persönliche Erinnerungen
Die Mitglieder des Arbeitskreises, der be­reits seit 1997 besteht, forschten sehr viel in Archiven, wo noch sehr viel unaufgearbeitetes Material aus dieser Zeit schlummert. Durch dieses Quellenstudium unterscheidet sich die neue Broschüre auch stark von dem ersten Band über die „Besatzungszeit", den die Au­toren vor zwei Jahren herausgegeben hatten. Trotzdem ist auch das neue Werk keine staub­trockene wissenschaftliche Angelegenheit. Denn auch diesmal fließen persönliche Erin­nerungen ein, viele historische Fotos und
Illustrationen machen die Vergangenheit an­schaulich.
Beim Sichten des Materials wurden so manche kleine Schätze geborgen, sagt Mitherausgeberin Margit Stephan. Nicht alles konnte in den Band einfließen. „Wir haben eine Grundlage geschaffen für weitere Forschungen." Eine Basis aber auch, die Gesprächsstoff bietet, Alt und Jung zusammenbringt und vielleicht dazu anregt, in der eigenen Familie nach Zeitdokumenten zu suchen. Das Zawiw und das Stadtarchiv, das die Arbeit der Gruppe unterstützt und wissenschaftlich begleitet] hat, sind auch interessiert an solchen Funden.
Die Broschüre „Nachkriegszeit in Ulm 1945 -1949" ist erhältlich bei Veranstaltungen zum 60. Jahrestag des Kriegsendes oder kann di-| rekt bestellt werden beim Zawiw, Universität Ulm, Albert-Einstein-Allee 11, 89069 Ulm, Telefon 0731/502-3193, Fax 0731/502-3197 oder per E-mail unter info@zawiw.de.         
Ein Zeitzeugen-Arbeitskreis hat sich intensiv mit der Nachkriegsgeschichte in Ulm und Neu-Ulm befasst und verschiedene Aspekte dieser Jahre in einer Broschüre dargelegt.              Bild: hib