Bilder!!!
                                       Ellen Salverius-Krökel
Rituale werden meistens in Worten, also per Definitionen erklärt. Dabei spricht doch eigentlich gar nichts dagegen, es auch einmal mit Bildern zu versuchen, nur mit Bildern.

Teuflisch gut
So nennt die ZEIT ihre Bildergalerie zu den Ritualen der christlichen Religionen. Warum aber Rituale, und in diesem Fall christliche, in dieser Form in der großen Wochenzeitung?

 Screenshot zeit.de
Screenshot zeit.de

Teuflisch gut könnte man nach dem ersten Durchlauf die Bilder nennen, fototechnisch gesehen jedenfalls. Wobei das erste Bild der Galerie mich ein bisschen hat frösteln lassen. Nein, nicht wegen der winterlichen Landschaft hinter dem Gedenkkreuz – grau in grau mit ein wenig Schnee und Winterlicht. Es ist dieses kahle, steinerne Kreuz, seine Form, seine Vorstellungskraft, die es bei mir auslöst. Und mitten im Juli lässt es eben das Frösteln ob des Gevatters Tod in mir aufsteigen. Obwohl das Kreuz ja eigentlich für Leben steht …

Kultur prägt Alltag
Dass Rituale ein Ausdruck unserer Kultur sind, ist richtig, und ebenso richtig ist, dass Rituale unseren Alltag prägen. Christliche Rituale im christlich geprägten Deutschland, so begründet die ZEIT ihre Bildergalerie, die sie in dem größeren Thema Weltreligionen eingebunden hat. Aber, und das ist der eigentliche Grund für diese Galerie mit Bildern aus dem Alltag, christliche Rituale tauchen auch da auf, wo wir sie nicht vermuten und verweisen uns auf Inhalte, die wir an diesen Orten gar nicht erwarten. Ein Fischsymbol auf dem Auto, ein Papst-Sticker an der Jeans einer jungen Frau oder in der Kantine am Freitag kein Fleisch.

Erklärungsnot
Oder es gibt ganz einfache religiöse Praktiken wie das Falten der Hände, warum eigentlich? Zwei Drittel der Deutschen sind Mitglied in einer der beiden großen christlichen Kirchen, wissen die das und die Erklärung für viele andere christliche Rituale? Und wenn nein, wo finde ich Rat? Die ZEIT hat es mit einer Bildergalerie versucht. Neun Bilder zu so scheinbar einfachen religiösen Bräuchen oder Symbolen. Was bedeutet eigentlich der Teufel, was steckt hinter der Beichte und, eine etwas moderner anmutende Frage, was bedeutet eigentlich der Papst? Und noch dazu für jemanden, der „ihn“ als Sticker an der Jeans trägt?

„Hyperlinken“
Bilder allein liefern ja nicht unbedingt eine Erklärung. Zudem sind sie in unseren Zeiten ja oftmals auch ein Ausdruck von der Unlust zu lesen. Die Abbildung eines Kreuzes, eines Fisches, eines Konfirmationsbildes sagt manches aus, aber auch hier stimmt dieses: man sieht nur was man weiß. Die Bildergalerie der ZEIT kommt also auch nicht ohne Text aus, sie macht es aber anders als gewohnt: Ein kurzer Text zum Bild beinhaltet Hyperlinks. Dies sind in den Text eingebettete Links, die per Mausklick uns dahin führen, wo wir kompetente Erklärungen bekommen. Ein Beispiel: Das schöne alte Konfirmationsbild will uns sagen, dass die Konfirmation auch ein Ritual ist, nämlich das der Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen. Wieso ein Ritual? Der Mausklick auf den Hyperlink führt uns zu bibel-online.Net.

Problem am Rande
Dieser  Internet-Dienstleister, eigentlich doch auf einem lobenswerten Wege mit seiner Bibel online und für jedermann/-frau kostenlos zu nutzen, durfte bis Ende 2007 die „Luther-Bibel 1984“ ins Internet stellen. Nunmehr darf aber nur noch die Luther 1912 angeboten werden. Der Unterschied, nun, da mag das Internet oder die Kirche selbst bzw. die Bibelgesellschaft, die als kirchliche Stiftung dafür verantwortlich zeichnet, helfen. Ob es wirklich verständlich wird?
Aber auch in der Luther-Bibel von 1912 steht nichts Falsches, vielleicht ist das Deutsch ein bisschen sperrig, aber wer lernen will, der wird auch das und dann damit lernen und verstehen. Schön, dass sich überhaupt jemand auf diese Weise bemüht, uns fast vergessene oder zu selbstverständliche Rituale des  Alltags nahe zu bringen.

Nachklapp
Was wäre eine richtige Zeitung ohne Leserbriefe (oder Kommentare im Internet)? Eine Leserreaktion zu dieser Bildergalerie war die Frage, wie man denn für einen Artikel über christliche Symbole und Rituale solch eine Überschrift hat wählen können? Die Wahl der Überschrift sei, so der Kommentator, eine erschreckende Respektlosigkeit und ohne jeden Anstand. Zum Glück, die Inhalte fand er überraschend gut. Ich übrigens auch, an der Überschrift habe ich mich nicht gestört. Der Teufel hätte es nicht besser machen können und ist nun neidisch, und ein paar Seelen mehr werden ihm verloren gehen, hoffentlich.

Links

Die Bildergalerie findet man hier
http://www.zeit.de/online/2007/06/bildergalerie-christen?1

Den Internet-Dienstleister bibel-online.Net
http://www.bibel-online.net/index.html


 

 
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