Web 2.0 - was steckt dahinter?
                                     von Anne Pöttgen
Irgendwann in grauer Vorzeit wurde das Internet erfunden. Das war 1969. Da hieß es noch Arpanet und verband Forschungseinrichtungen miteinander. Für uns alle erfand Berners-Lee 1989 das www, das world-wide-web. Und wir selbst, die Nutzer, erfanden irgendwann etwas, dem Tim O’Reilly den Namen Web 2.0 gab.

Historie
Anfang der sechziger Jahre wurde das Arpanet von einer Gruppe von Wissenschaftlern für die US-Luftwaffe entwickelt. Anfangs waren nur einige Forschungseinrichtungen miteinander vernetzt. Nachdem sich dieses Netz ausbreitete und dann auch kommerziellen Zwecken diente, bürgerte sich der Name Internet ein. Sein Hauptzweig war der E-Mail-Dienst.
1989 „erfand“ Tim Berners-Lee das world-wide-web, das www. Dazu war vor allem eine gemeinsame Sprache erforderlich, die von allen Computern verstanden werden konnte, der Hypertext. Auf der allerersten Website, der des CERN in der Schweiz, erläuterte Berners-Lee seine Ideen. Es dauerte aber Jahre, bis Browser entwickelt wurden, mit denen dann das www genutzt werden konnte. Der E-Mail-Dienst besteht weiter als Teil des Internets neben dem www. Andere Internetdienste sind nicht von allgemeinem Interesse.
Ein ausführlicher Beitrag zum Thema findet sich unter dem Titel „Die Geschichte des Internets“.

Web 2.0
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Dieses Konglomerat ist nicht so einfach zu beschreiben. Hier eine ganz allgemeine Definition:
“.. es geht nicht länger um anonyme Nutzer, denn es sind die Nutzer, die die Inhalte schaffen. Im ersten Schritt stellen Nutzer Inhalte ein, im nächsten Schritt wollen sie diese ihren Freunden zeigen, also werben sie dafür. Die Freunde sehen die Inhalte, finden sie gut, machen selbst mit, stellen eigene Inhalte ein. So entsteht virales Wachstum“ (Interview: Web 2.0 verändert die Gesellschaft fundamental. Link im letzten Abschnitt).
Viel genutzt wird die Möglichkeit des Bloggens. Von vielen Anbietern wird – kostenlos – die Möglichkeit geboten, Texte und Bilder in ansehnlichem Design im Internet zu veröffentlichen, ohne das mühsame Erstellen einer Website. Ausführliches dazu im Beitrag „Weblogs – ein Mitmach-Medium“ in der Rubrik „Meinungen".
Beliebt bei Gruppen ist das wiki, eine Anwendung, bei der mehrere Autoren gemeinsame Texte erarbeiten. Bekanntestes Beispiel: Wikipedia.

Das Bilderparadies flickr

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Flickr ist ein gutes Beispiel für eine Plattform, die ihre Nutzer untereinander verbindet. Sie bietet die Möglichkeit, Fotos, die man Freunden und Verwandten oder aber der ganzen Welt zeigen will, hoch zu laden. Auf ganz bequeme Weise. Die Fotos können entweder von jedermann oder nur von Freunden und Verwandten angesehen werden. Das entscheidet jeder, der hoch lädt, selbst.
Man kann den Bildern einen Titel geben und zusätzlich noch einen Text dazu schreiben, etwa „Das Fest bei Sowieso am soundsovielten“. So sieht jeder, der darf, worum es sich handelt. Wer die Bilder anschaut, kann einen Kommentar dazu abgeben, und es gibt einen Zähler, der anzeigt, wie oft das Foto angeschaut wurde. Soweit die einfache Form der Verbindung. Im nächsten Abschnitt wird es konkreter.

Mein flickr
Wenn man Bilder von allgemeinem Interesse hoch lädt, kann es vorkommen, dass man von einer Gruppe, die Bilder zum gleichen Thema sammelt, aufgefordert wird, mitzumachen und die eigenen Bilder hinzuzufügen. Zu dieser Gruppe kehrt man gern zurück, denn man findet dort Bilder, die einen garantiert interessieren.
Oder aber man bekommt die Anfrage, ob dieses oder jenes Foto vom Anfragenden verwendet werden darf. Oder man fragt selbst nach, ob man eines der Bilder zum Beispiel für seine Website oder seinen Blog zum gleichen Thema verwenden darf.
Manchmal verweise ich aus meinem Blog heraus auf meine Sammlung von Fotos zum gleichen Thema bei flickr. Auf diese Weise wird der Blog nicht mit Bildern überladen. Wer möchte, kann sich eine größere Anzahl Fotos ansehen, vielleicht auch als Dia-Show. Das ist, wie man an den Zahlen der Besucher ablesen kann, recht beliebt. Ein Link im letzten Abschnitt.

„Social Bookmarking“ von Texten
Lesezeichen, bookmarks, kennen wir von unseren Browsern. Beim Internet Explorer von Windows heißen sie Favoriten. Wie beim papierenen Lesezeichen helfen sie uns, etwas wieder zu finden.
Social Bookmarks dienen dazu, auf Nachrichten, die man interessant findet, auf einer so genannten Plattform hinzuweisen und für sich und andere verfügbar zu machen.
Wie sieht das praktisch aus? Bei vielen Artikeln in Onlinezeitungen findet man am unteren Rand einen Hinweis auf solche Plattformen. Bei stern-online findet man übrigens 12 solcher Anbieter.
Und der eigene Nutzen? Man kann seine Favoriten- oder Lesezeichenliste klein halten und trotzdem interessante Artikel jederzeit wieder finden und wieder lesen. Das soziale daran ist, dass auch andere, die sich für das Thema interessieren, mitlesen können. Und zwar mit Hilfe eines aussagekräftigen Stichworts.

Mein Bookmarker Yigg

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Klickt man auf den Anbieter, so landet man auf der Hauptseite und wird – zum Beispiel bei Yigg - gefragt: „Du möchtest eine neue Nachricht einstellen?“ Gleichzeitig wird man aufgefordert, sich entweder einzuloggen oder sich ein Benutzerkonto einzurichten. Das hat Sinn, denn man will seine Seiten ja wieder finden.
Dann geht es los und man wird als erstes mit den Regeln vertraut gemacht. Man sollte zum Beispiel prüfen, ob bereits etwas zum Thema vorhanden ist, dann kann man nämlich dort seinen Link loswerden und bietet zukünftigen Besuchern nicht nur einen sondern mehrere Links an. Was wäre das Internet ohne Links?
Als Kunde steuert man gleich seine eigene Seite an und klickt auf „Historie“. Dort findet man alles wieder, was man bei Yigg abgelegt hat. Und sieht dann leider auch, wie lange das alles her ist.
Falls Sie einmal hineinschauen wollen, es gibt einen Link im letzten Abschnitt. Die Seite sieht recht verwirrend aus, Sie ersparen sich aber das Registrieren, das Sie vielleicht scheuen.

Und die Videos
Hier ist sicher als Erstes YouTube zu nennen. Was „Deine Glotze“ heißen soll. Viel ist über die wackligen Erstlingswerke von angehenden Videokünstlern gelästert worden. Aber wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man interessante Dinge sehen. Zum Beispiel ein Video „Generalaudienz bei Papst Benedikt XVI. vom August 07“. Oder „Ihre Frage an Kurt Beck“ über SPDvision. Oder aber, für mich als Katzenliebhaberin interessant: „Sprechende Katzen“, zum Teil ganz witzig gemacht.
Bei den Video-Plattformen wird die Frage nach dem Urheberrecht akut. Da wird geklaut, was das Zeug hält und bei YouTube und anderen hoch geladen. „Viele Nutzer gehen leichtfertig mit den verlockenden Möglichkeiten des Internets um – insbesondere was die Urheber- und Persönlichkeitsrechte betrifft“, sagt Prof. Dr. Norbert Schneider von der Landesanstalt für Medien NRW. Videos, auf denen Freunde, Bekannte oder Fremde zu sehen sind, darf man keinesfalls ohne Erlaubnis der Aufgenommenen veröffentlichen.

Auch das noch
Sogar die Porno-Industrie will mitmachen: Sexvideo-Portale boomen, wie Focus online berichtete.
Auf der Seite MySpace , eine der großen „Internet-Communitys“, sieht man den Hinweis: „Finde deine Freunde bei MySpace“. Man kann hier seine Kontakte bei Web.de, AOL, Google Mail, Yahoo, Hotmail und Gmx eingeben und nachsehen, was die Freunde bei MySpace hochgeladen haben. Ob das jedem Freund oder jeder Freundin recht ist?

Links
Web 2.0 verändert die Gesellschaft fundamental:
http://www.golem.de/0711/55953.html
Eine Bilderserie bei flickr als Ergänzung zum Blog „Mittelalter am Niederrhein“:
http://www.flickr.com/photos/anpoe/
sets/72157594245351730/

So sieht eine Seite bei Yigg aus:
http://www.yigg.de/users/Poettgen
Ein Interview mit Tim O’Reilly:
http://www.stern.de/computer-technik/computer/
:Interview-Tim-O'Reilly-Auch-Google/612430.html?nv=ct_cb


 
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