Auswandern nach Uruguay |
von Hildegard Neufeld Auswanderer verlassen oft aus wirtschaftlichen oder politischen sowie aus religiösen oder persönlichen Gründen ihr Land. Den Auswanderern, die 1948 aus dänischen Internierungslagern nach Uruguay aufbrachen, drohte die Auslieferung an die Sowjetunion.
Wer waren die Auswanderer? ![]() Uruguay Die Landsuche zog sich länger als erwartet hin, und als sie schließlich erfolgreich abgeschlossen und der Landkauf mit Hilfe und Unterstützung des MCC getätigt war, zeigte der Kalender bereits den 17. April 1950. 294 km nordwestlich von Montevideo, im Department Rio Negro, war ein 2.100 ha. umfassendes Restgrundstück der Estanzia El Ombú einschließlich einiger Gebäude erworben worden. Das für die Siedlung ausgewählte Land wurde vermessen und nach einem gemeinsam beschlossenen Schlüssel unter die Interessenten - 80 Familien und 12 Einzelpersonen - verteilt. Die neue Heimat der Auswanderergruppe war gegründet. Die Aufbauarbeit Die Siedler schlossen sich zu Familiengruppen zusammen, in denen jeweils zwei „starke" Familien eine „schwache" Familie (Witwen und Alleinstehende) in ihre Mitte nahmen. Eine Genossenschaft wurde gegründet und eine Schule eingerichtet. Nun konnte die Aufbauarbeit beginnen. Die Häuser wurden eigenhändig aus Grassoden oder gestampftem Lehm gebaut und mit Rohr und Schilf gedeckt. Brunnen mussten gegraben und Wege, Gärten und Felder angelegt werden. Der Aufbau der neuen Heimat machte schnelle Fortschritte. Die zweite Auswanderergruppe schon im folgenden Jahr (1951) kam eine weitere ostdeutsche Flüchtlingsgruppe, bestehend aus 450 heimatlosen Mennoniten, die beim ersten Transport nicht hatten berücksichtigt werden können, nach Uruguay. 300 Personen sollten in El Ombú untergebracht werden, die anderen in der weiteren Umgebung Unterkunft finden. Wieder wurde Land für weitere Siedlungen gesucht, und wieder galt es, sich der notwendigen und anspruchsvollen Aufbauarbeit zu stellen. Allerdings konnten die neuen Einwanderer von den Erfahrungen der Zuerstgekommenen profitieren. Zwei neue Siedlungen entstanden: Neben der bereits etablierten Kolonie El Ombú gründeten die deutschen Einwanderer die Kolonien Gartental und Delta. Die Entwicklung Die Anfangsjahre waren für alle drei Siedlungen schwer. Es fehlte zunächst alles, vom Hammer und Nagel bis zu den erforderlichen Maschinen und Geräten, um das Land zu bebauen. Aber man packte gemeinsam an. Die Wege wurden befestigt, Schulen eingerichtet und die drei Siedlungen genossenschaftlich zusammen geschlossen. Bald zeichneten sich erfreuliche Fortschritte ab. Schon die erste Generation der deutschen Einwanderer brachte es zu einem bescheidenen Wohlstand. Durch Zukauf, aber auch durch Abwanderung, konnten sich die meisten Betriebe vergrößern. Trotzdem wanderten viele nach Deutschland zurück. Der rasche wirtschaftliche Wiederaufstieg in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, das „Wirtschaftswunder", weckte neue Hoffnung auf günstigere Lebensbedingungen - oder war es (auch) Heimweh? Neue Heimat - alte Heimat Fast vier Jahrzehnte nach der Auswanderung der deutschen Flüchtlinge nach Uruguay erschien dort ein Buch mit dem Titel „Neue Heimat in Uruguay". Der Autor, selbst einer der Einwanderer, schließt seinen ausführlichen Bericht über die deutschen Auswanderer mit der Feststellung: „Uruguay ist einer Gruppe heimatloser Flüchtlinge und deren Nachkommen zu einer neuen Heimat geworden". Inzwischen sind weitere Generationen der einstigen Einwanderer herangewachsen, und diese werden Uruguay nicht mehr als neue Heimat, sondern als ihre alte Heimat sehen. Links: Mennoniten in Uruguay Uruguay-Magazin Mennoniten |
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