Ausgabe Nr. 36                         Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung älterer Erwachsener
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Spurensuche – jüdische Friedhöfe in Ostfriesland

                                                                        von Hauke Pfeiffer (Bilder)
                                                                        und Ellen Salverius-Krökel (Text)



Wenn man in der Redaktion die eingehenden Texte entgegennimmt und den prüfenden Blick darüber gleiten lässt, dann wandern schon mal die Gedanken und man kann auch eigene Erinnerungen damit verbinden. In diesem Fall waren es die jüdischen Friedhöfe in meiner Heimat Ostfriesland, die ich dem Projekt „Spurensuche – Jüdische Friedhöfe in Deutschland“ gerne zur Seite stellen möchte. Vielleicht animiert das zur Nachahmung, sich einmal in der eigenen Umgebung umzutun? Ich konnte das nun natürlich nicht mal eben von der Schwäbischen Alb aus bewerkstelligen, aber Bilder sollten natürlich schon für die LeserInnen dabei sein. Woher nehmen und nicht stehlen? Ich z.B. habe meinen Neffen gebeten für mich in seiner Heimatstadt Emden den jüdischen Friedhof Bollwerkstrasse (früher Sandpfad) zu besuchen und ein paar Fotos für das LernCafe zu machen.



Ein bisschen Geschichte
Der jüdische Friedhof in der Bollwerkstrasse hatte – bis zu einer Gründung 1703 – einen Vorgänger. Er lag etwas außerhalb der Stadt, im heutigen Stadtteil Tholenswehr am Treckfahrtstief, und wurde im 17. Jahrhundert belegt. Auch die Juden aus Weener, Bunge, Jemgum und Stapelmoor setzen ihre Toten auf diesem Friedhof bis 1670 bei. Da ihnen, insbesondere im Winter die Überführung der Toten über die vereiste Ems zu beschwerlich war, erbaten sie bei der Fürstin Charlotte um einen eigenen Gottesacker in Jemgum. Erhalten geblieben sind von diesem alten Friedhof jedoch keine Steine, sie sind im weichen Boden am Randes des Kanals im Laufe der Zeit versackt. Selbst 1933 waren nur noch drei Grabplatten erhalten.


Der neue Friedhof
Wie bereits erwähnt, wurde der neue Friedhof 1703 am früheren Sandpfad, heute Bollwerkstrasse, angelegt. Da gab es jüdisches Leben bereits mehr als 170 Jahre in der Stadt Emden. Ihr Leben und Leiden war hier nicht anders als in anderen Städten und Gemeinden.
Bis in die Gegenwart wurden auf dem neuen Friedhof ca. 800 Bestattungen vorgenommen. Und natürlich blieb auch dieser Friedhof während des Nationalsozialismus nicht unberührt. 465 jüdische Bürger der Stadt Emden fanden ihre letzte Ruhestätte nicht auf „ihrem“ Friedhof, sie wurden von den Nazis ermordet. Nach dieser schlimmen Zeit wurde auch in Emden verschiedentlich der jüdischen Mitbürger gedacht. Zuletzt 1990 wurde auf diesem jüdischen Friedhof ein Denkmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten errichtet, ihre Namen kann man darauf nachlesen.


Links
Weitere Informationen zu diesem Friedhof und seiner Geschichte finden sich hier
http://www.emder-juden.org/Geschichte__de_/geschichte__de_.html

Die Bilderrechte liegen bei Hauke Pfeiffer, Emden.

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