"Leinen los!"
                                   von Horst Glameyer
Wie oft mag einst dies Kommando ertönt sein, wenn die Bordkapelle zum Abschied "Muß i denn, muß i denn zum Städtele naus, Städtele naus" spielte und wieder eines der HAPAG-Passagierschiffe Kurs auf Amerika nahm?
Albert Ballin (1857 - 1918)
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Albert Ballin; Quelle: Hapag-Lloyd, 150. Geburtstag von Albert Ballin

Mit seinem Namen ist das Schicksal von Tausenden deutscher und europäischer Auswanderer verbunden, die zwischen 1874 und dem Ersten Weltkrieg von Hamburg und von Cuxhaven aus nach Übersee emigrierten. Manchen von ihnen wird er das Leben gerettet haben.
Als 13. Kind eines armen jüdischen Auswandereragenten wuchs er am Hamburger Hafen auf, übernahm nach dem Tod seines Vaters mit 17 Jahren dessen Agentur, die er im Laufe der nächsten Jahre zu einem Konkurrenzunternehmen der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft ausbaute. Nachdem die Hapag ihn 1886 als Chef ihrer Passageabteilung eingestellt hatte, wurde Ballin bereits 1888 ihr jüngster Direktor. 1899 war sie die größte Reederei der Welt.

Die Auswanderer
Während im 17. und 18. Jahrhundert noch viele Menschen aus religiösen Gründen ihre Heimat verließen bzw. verlassen mussten, zwang im 19. Jahrhundert wirtschaftliche Not die meisten zur Auswanderung. Natürlich waren auch Abenteurer unter ihnen und solche, denen der Boden unter den Füßen zu heiß geworden war. Seit Beginn dieses Jahrhunderts wuchs innerhalb von 100 Jahren die europäische Bevölkerung von etwa 187 Millionen auf 401 Millionen Menschen an. Allein in Irland starben in den 1840er Jahren mehr als 800 000 Menschen an den Folgen von Unterernährung. In den ersten 80 Jahren des 19. Jahrhunderts wanderten ca. 13 Millionen Europäer aus. Die meisten von ihnen versuchten, sich in Nordamerika mit ehrlicher Arbeit ein besseres Leben aufzubauen.

Hamburgs Auswanderhallen
Albert Ballin kannte die Ansprüche der Auswanderer. Er ließ ab 1901 für sie auf der Veddel in Hafennähe eine Kleinstadt errichten. Hier konnten ca. 5000 Auswanderer bis zur Einschiffung zu günstigen Preisen untergebracht, beköstigt und medizinisch versorgt werden. Die Auswanderhallen boten ihnen Schutz vor den "Gefahren" der Stadt, gleichzeitig kamen sie auch nicht mit den Hamburger Bürgern in Berührung. Sie wurden für die Schiffsreise in die USA kontrolliert und registriert sowie medizinisch untersucht. Erst 1892 hatte in Hamburg die letzte Choleraepidemie binnen sechs Wochen 8000 Menschen dahingerafft.
Männer und Frauen wurden in getrennten Schlafsälen untergebracht. Ihre Mahlzeiten nahmen sie an weißgedeckten Tischen in großen Speisesälen ein. An Bord erfolgte die Überfahrt, getrennt von den übrigen Passagieren, im Zwischendeck..

Cuxhavens HAPAG-Hallen
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HAPAG-Hallen

Sie wurden von 1900 bis 1902 errichtet und erhielten auch einen Gleisanschluss für   Sonderzüge aus Hamburg. Mit dem Neubau der "Augusta Victoria" war bereits 1889 der Liniendienst von Cuxhaven nach New York eröffnet worden.
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Im Jahr 1900 beförderte die Hapag mit ihren Schiffen 65000 Auswanderer nach Übersee.

Das 1904 fertiggestellte Anlagenhöft erhielt später die Bezeichnung "Steubenhöft" nach dem preußischen Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben (1730 - 1794), der 1777 nach Amerika ging. Als General nahm er am Unabhängigkeitskrieg teil. Ihm zu Ehren findet alljährlich Ende September in New York die Steubenparade statt.
Im 1. Weltkrieg wurde die Passagierschifffahrt eingestellt. Albert Ballin, dessen Motto "Mein Feld ist die Welt." lautete, sah bei Kriegsende sein Lebenswerk zerstört und nahm sich das Leben.

Links:
Hapag-Lloyd - 150.
Geburtstag von Albert Ballin 15.08.07

Auswanderhallen (Hamburg-Veddel)

Die Geschichte eines Terminals
(HAPAG-Hallen und Steubenhöft in Cuxhaven)


 
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