Kinder machen Zukunft
                                     von Marlis Föhr
Haben wir unseren Nachwuchs auf die kommenden Jahrzehnte vorbereitet? Die Zukunft hat schon begonnen.

Kinderfeindlichkeit

Glaubt man den Umfragen, beklagen die Deutschen zunehmend kinderfeindliche Tendenzen im eigenen Land. Fälle von Kindesmisshandlungen und Kindestötungen häufen sich und deuten auf einen sozialen Klimawandel hin. Die Ursachen nur bei überforderten Müttern der Unterschichten zu suchen, ist fehl am Platze. Es ist ein Ausdruck für die Hilfslosigkeit unserer Gesellschaft geworden, die häufiger nebeneinander als miteinander lebt. Der Ausbau der Kleinkinderbetreuung ist ein guter Weg, obwohl die Nachfrage nach Art und Umfang noch starke Unterschiede aufweist. Kinder, die von Tagesmüttern und Krippen betreut werden, ermöglichen Kindsmüttern, einer Arbeit nachzugehen und dem Facharbeitermangel entgegen zu wirken. Kinderfeindlichkeit ist auch ein Grund, dass die Geburtenzahlen zurückgehen, dabei muss man sich fragen, wie zukünftig eine Welt ohne Kinder überleben will.

Erziehung für die Zukunft
Kinder brauchen Regeln, Grenzen und klare Vorgaben. Strafen sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Eltern sollten sich Zeit für ihre Kinder nehmen und auch gemeinsame Unternehmungen nicht ausschließen. Viele Konflikte entstehen oft in Patchwork-Familien, wenn ein neues zu einem bereits vorhandenen Elternteil kommt. Kinder brauchen Bezugspersonen, eine intakte Umwelt, gesunde Ernährung und gute Schulen. Fernsehen und Computer bieten nur eine Scheinwelt und ersetzen keine sozialen Grundleistungen. Eine solide Vorbereitung auf das Leben, die Kinder für ihre Zukunft brauchen, sollte in jedem Elternhaus gewährleistet sein.


Die Welt der jungen Generation heute
Immer weniger Jugendliche sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren, obwohl freiwillige Dienste immer wichtiger werden, da sich der Staat aus vielen Bereichen zurückziehen wird. Auch die Mitgliedszahlen in Sport- und kirchlichen Vereinen gehen immer mehr zurück. Bindungen an Organisationen sind Auslaufmodelle. Da viele Jugendliche sich häufiger mit den Wohlstandsverlusten ihrer Eltern abfinden müssen, fällt das Taschengeld geringer aus und muss durch bezahlte Aushilfstätigkeiten ausgeglichen werden. Ein Großteil unserer Jugend erwartet daher nach Ausbildung und Studium sichere Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Handwerk und ist bereit, dafür die Voraussetzungen zu erbringen.


Jugendgewalt
Ein kleiner Teil der Jugendlichen sucht durch Gewalt nach Selbstbestätigung. Sie verschaffen sich Respekt, demonstrieren Härte und Durchsetzungsfähigkeit und glauben, dass diese Rolle ihnen das Gefühl von Überlegenheit vermitteln kann. Schon Zwölfjährige überschreiten ihre Grenzen und werden zu einem Problem der Gesellschaft. Häufig ist der Risikofaktor im Elternhaus zu finden und durch Nachahmungseffekt vorgegeben. Eine Jugend, die Zukunft gestalten will, muss sich mit anderen Verhaltensregeln auseinandersetzen. Sie sollte sich mit lebenswichtigen Fragen beschäftigen: Wird es 2050 noch Nahrungsmittel für alle Menschen geben, sind noch genügend Wasser und Energie vorhanden, um einige zu nennen. Eltern und Lehrer stehen in der Pflicht, die jungen Menschen darauf hinzuweisen.


Erfahrungen
Unsere Kinder haben dank guter Ausbildungen ihren Weg gefunden. Sie erleben wie alle hautnah die Krise in der Arbeitswelt und versuchen, sich mit den Tatsachen auseinander zu setzen. Bei einem Gespräch mit einem unserer Enkel erfuhr ich, dass er sich ein Abitur mit Bestnoten wünscht, um danach einen Wunschstudienplatz, möglichst im Ausland, zu erhalten. Beim Thema Familie musste ich erkennen, dass sich die Vorstellungen von früher verändert hatten. Eine Heirat wird infrage gestellt, weil auch ohne Bindung ein dauerhafter Zusammenhalt möglich sein kann. Der Leistungssport, Ausgleich zu Schule und Studium, soll auch später weitergeführt werden. Ich hatte den Eindruck, dass unser Nachwuchs für die Zukunft gerüstet ist. Unsere Sorgen sind vielleicht überzogen, der Vergleich zu unserer Lebensabfolge nicht mehr zeitgemäß. Unsere Kinder sind stark, mutig und kreativ. Ich wünsche ihnen sehr, dass sie ihren Weg in die Zukunft meistern werden.

Die heutigen Schulden – Erbe der Jungen
Das Ausmaß der Staatsverschuldung ist besorgniserregend, kommende Generationen werden sich dafür verantworten müssen. Ausbau des Sozialstaates, die Wiedervereinigung, Finanz- und Wirtschaftskrisen sind einige der Gründe, dass es soweit kommen konnte.Geringere Steuereinnahmen durch weniger Beschäftigte, Konsumzurückhaltung der Verbraucher bieten zurzeit wenig Möglichkeiten den Istzustand zu verändern. Die wachsende Armut kann nicht mehr verheimlicht werden. Circa 10 Millionen Bundesbürger, darunter auch viele Jugendliche arbeiten in der Schattenwirtschaft. Dadurch gehen dem Staat 40-60 Milliarden an Steuer- und Sozialabgaben verloren. Unsere Kinder müssen sich in Bescheidenheit üben. Die meisten begreifen schnell, dass nicht die Steigerung des Lebensstandards, sondern die Lebensqualität für die Zukunft entscheidend sein wird.

2050

Eine Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes über die Bevölkerungsentwicklung für 2050 geht nur noch von 69-74 Millionen Einwohnern in Deutschland aus (zur Zeit sind es 82 Millionen). Weder eine höhere Kinderzahl noch eine weiter steigende Lebenserwartung können den Rückgang verhindern. Der demografische Wandel wird das Zusammenleben und die Arbeitswelt verändern. Ultraviolette Strahlung, die nicht mehr von der Ozonschicht abgeschirmt wird, schädigt Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Der Klimawandel bedroht Menschenleben, vernichtet Lebensgrundlagen und begünstigt die Ausbreitung von Krankheitserregern. Zukunft ist immer ungewiss, das wussten unsere Vorfahren, und auch wir haben es erfahren müssen. So werden auch die nachfolgenden Generationen sich damit abfinden müssen. Ich bin sicher, dass sie damit zurechtkommen werden.


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