Anita Augspurg

* 22.09.1857 (Verden an der Aller) 20.12.1943 (Zürich) Germany
Fields of activity: women rights
Author: Erdmute Dietmann-Beckert
EnglishGerman

Augspurg Heymann

Women's International League for Peace & Freedom (WILPF) Congress, Zürich 1919 -  Augspurg, Anita; Despard, Charlotte; Genoni, Rosa; Hamilton, Alice; Heymann, Lida Gustava; Kulka, Leopoldina 

„Frauen und Mütter Deutschlands, die ihr diesen Weltkrieg miterlebt habt, müsst ihr nicht bereit sein, zu tun, was in euren Kräften steht, die kommenden Geschlechter vor gleichen Katastrophen zu bewahren?“ (Schenk, Herrad. Stuttgart 1981.)

Warum halte ich die beiden Frauen für wichtig?
Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann gehörten zum radikalen Flügel der frühen Frauenbewegung. Sie lehnten den Krieg ab und setzten sich für die Rechte der Frauen ein. Sie lehnten die Diktatur Hitlers ab, weil sie darin eine Gefahr für den Weltfrieden erkannten.

Aktiv in Gesellschaft und Politik
In 1896 in Hamburg richtete Lida Gustava für berufstätige Frauen einen Mittagstisch ein und eröffnete einen koedukativen Kinderhort. Sie kaufte ein Haus im Zentrum der Stadt, eröffnete ein Frauenzentrum, wo sie eine Bibliothek einrichtete. Es entstanden eine Volksbadeanstalt und ein koedukatives Reformgymnasium.
Anita engagierte sich ab 1891 in der Frauenbewegung. Während ihres Jurastudiums in Zürich begegnete sie Rosa Luxemburg. Auf dem „Ersten Kongress für Fraueninteressen“ wird neben dem Frauenstimmrecht eine Berufsausbildung für Mädchen und die Berufstätigkeit von Frauen gefordert.
1897 nehmen Augspurg und Heymann am Kongress der „Abolitionistischen Föderation“ teil. Diese bekämpfte die staatliche Reglementierung der Prostitution und die sexuelle Ausbeutung der Frauen. Um 1902 sind beide Frauen im Vorstand des Verbands „Fortschrittlicher Frauenvereine“.
Ab 1907 erscheint die „Zeitschrift für Frauenstimmrecht“, die ab 1919 in „Die Frau im Staat“ umbenannt wird.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs reisen Anita und Lida Gustava nach Den Haag zum „Internationalen Frauen Friedenskongress“. Im Organ des Bundes für Frauenstimmrecht fordert Heymann die sofortige Beendigung des Kriegs.
1918 wird Augspurg Mitglied im provisorischen Parlament in Bayern, erlangt aber bei den Wahlen kein Mandat. Bereits 1923 ersuchen Augspurg und Heymann beim bayerischen Innenminister, den Österreicher Hitler auszuweisen, was der Minister ablehnt.

Elternhaus und Jugend
Anitas Eltern kommen beide aus Akademikerfamilien. Der Vater ist Jurist. Sie wird freiheitlich erzogen. Sie macht eine Ausbildung als Turnlehrerin und nimmt nebenbei Schauspielunterricht. In München eröffnet sie mit einer Freundin ein Fotostudio.
Sie beschäftigt sich mit der Rechtsstellung der Frau end entschließt sich, in Zürich Jura zu studieren, das sie mit der Promotion zum Dr. jur. abschließt.
Lida Gustava stammt aus einem großbürgerlichen Haus. Sie wird von einem Hauslehrer erzogen und besucht ab 1882 die Höhere Töchterschule in Hamburg. Nach einem Jahr in Dresden kehrt sie in ihr Elternhaus zurück. Sie unterrichtet an einer Armenschule und leitet eine Nähschule.
Nach dem Tod des Vaters 1896 ist sie finanziell unabhängig und engagiert sich in verschiedenen sozialen Einrichtungen. Sie schließt sich der deutschen Frauenbewegung an.
In Berlin besucht sie den Internationalen „Kongress für Frauenwerke“ und begegnet Anita Augspurg.
Fortan leben und arbeiten beide Frauen zusammen. In Bayern erwerben sie einen Bauernhof. Nach der Machtergreifung Hitlers kehren Anita und Lida nicht mehr aus ihrem Urlaub in der Schweiz nach Deutschland zurück.
Bis zu ihrem Tod 1943 lebten sie verarmt, auf die Unterstützung vermögender Freunde angewiesen, in Zürich. Die deutsche Regierung hatte beider Vermögen konfisziert.

Zum Schluss
Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann haben bereits 1902 gefordert, dass auch Frauen zu den Wahlen zugelassen werden. In der Weimarer Verfassung von 1918 wurde ihnen dieses Recht zugestanden. Bis zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern dauerte es noch einmal dreißig Jahre. Der Umsetzung dieses Rechts wurde aber nur verzögert entsprochen. Dass es in Deutschland seit 2005 eine Frau als Bundeskanzlerin gibt, ist ein Verdienst der frühen deutschen Frauenbewegung. Bis heute ist es für eine Frau jedoch schwierig, an die Spitze eines Börsen gestützten Unternehmens zu gelangen.
Hiltrud Schroeders Einschätzung beider Frauen schließe ich mich an:
„Ihren (Luxemburgs und Heymanns, EDB) Optimismus, dass gleiche politische Rechte den Frauen auch eine gleichberechtigte Stellung einräumen würden, teilen wir heute nicht mehr.“

 

Literatur und Links

 

Bildquelle

  • Mit der Erlaubnis der Women's International League for Peace and Freedom Records, Swarthmore College Peace Collection, Swarthmore, U.S.A., www.swarthmore.edu/Library/peace