Ausgabe Nr. 36                         Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung älterer Erwachsener
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Verlorene Orte - Wüstungen


                                                                    von Anne Pöttgen

Die Website Harz-Saale

 Fensterhöhlen; Quelle: Birk Ecke

Die Website Harz-Saale wird in privater Initiative betrieben. Sie erhebt, wie ihr Verfasser schreibt, nicht den Anspruch, ein kompletter Reiseführer oder eine wissenschaftliche Arbeit für die Region Ostharz und Saale zu sein.Sie bietet aber ausführliche Informationen über das Mansfelder Land, das mitten in Deutschland liegt und doch heute ein wenig im Abseits.
Ich habe mir einen Teil dieser Website angesehen, nämlich die Seiten über fast vergessene, „Verlorene Orte“. Schließlich heißt das Thema dieser Ausgabe Erinnern und Vergessen.
Links finden Sie wie immer im letzten Abschnitt.

Wüstungen
Was versteht man unter Wüstungen? Es ist eine Bezeichnung für ganz oder teilweise verlassene Siedlungen oder aufgegebene landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Es gibt sie überall und aus allen Zeiten.
Neben den Orts- gibt es die Flurwüstungen. Ortswüstungen entstanden zum Teil dadurch, dass ihre Bewohner in Großdörfer umsiedelten. Flurwüstungen sind aufgegebene Felder und Wiesen, deren Erträge möglicherweise nicht mehr ausreichten. Die meisten Wüstungen in Deutschland entstanden in der Zeit vom Ende des 14. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Dieser verhältnismäßig kurze Zeitraum legt ein besonderes Ereignis als Grund nahe, man denke an Klimaänderungen, die so genannte „Kleine Eiszeit“.
Auch in unserer Zeit entstehen Wüstungen. Etwa durch Grenzänderungen infolge von Kriegen. Gerade wird aus Sachsen berichtet, dass viele Dörfer ihre Bewohner verlieren.


Theorien

Es gibt unterschiedliche Theorien über die Entstehung von Wüstungen in Deutschland. Häufig wird die Pest des späten Mittelalters als Grund genannt, doch gibt es viele Wüstungen, die aus der Zeit vor der ersten Pestwelle im vierzehnten Jahrhundert stammen. Sinkende Agrarpreise und zu hohe Abgaben an die Feudalherren, so eine der Theorien, hatten die landwirtschaftlichen Einkommen so verringert, dass die Bauern es vorzogen, in die neu gegründeten Städte zu ziehen.
Auch dürfen die Klimaschwankungen im Mittelalter nicht außer Acht gelassen werden. Für das Gebiet, über das hier berichtet wird, liegt auf den Seiten über die Verlorenen Orte eine Statistik über Wetteranomalien vor. In den günstigeren Zeiten hat man auch in Gegenden gerodet und gesiedelt, deren Bewirtschaftung sich nach dem Ende der wärmeren Periode nicht mehr lohnte.

Die Wüstung Lichthagen

 
Wüstung Lichthagen; Quelle: Birk Ecke

Oft weiß man heute nicht einmal den richtigen Namen eines Verlorenen Ortes. Im Falle von Lichthagen im Mansfelder Land könnte der Name auch Lichtenhain gewesen sein. Hagen und Hain haben ja – als Wald – die gleiche Bedeutung. Lichthagen war zu seiner Zeit sogar ein Pfarrdorf, zu dem insgesamt neun Dörfer gehörten. Bis auf eines sind alle ebenfalls Wüstungen; Lichthagen gilt seit 1533 als wüst gefallen.
Einige wenige Relikte deuten auf die genaue Lage des Ortes hin: An die Kirche erinnert ein kleiner Steinhaufen, ein größerer Sandstein könnte der Taufstein oder ein Gerichtsstein sein, eine Vertiefung im Waldboden der ehemalige Dorfteich.


Die Wüstung Volkmannrode

 Gerichtshütte Volkmannrode; Quelle: Birk Ecke

Auch dieser Ort hatte mehrere Nebenorte, die heute wüst sind. Hier wurden Orte aufgegeben, die Felder, Wiesen und Waldanteile dagegen von einem anderen größeren Dorf aus weiter bewirtschaftet. Auch einer der Gründe, warum Ortswüstungen entstanden.
Spärliche Turmreste haben den Namen „Wüste Kirche Volkmannrode“ erhalten. Daneben steht heute noch eine Gerichtshütte aus dem 16. Jahrhundert, die die bäuerliche Gerichtsstätte „Rügegericht Volkmannrode“ beherbergte. Steuern und Abgaben der Bauern wurden hier festgelegt und Nachbarschaftsstreitigkeiten verhandelt. Kirchenruine, Gerichtshütte und Gerichtslinde stehen heute als Flächendenkmal unter Naturschutz. Eine Erinnerung an eine fast vergessene Form der Gerichtsbarkeit. Das Rügegericht lebt heute nur noch als Brauchtum weiter. Ein Link dazu im letzten Abschnitt.


Schloss Eisleben und die Kuppenburg
Das Schloss Eisleben, so wird es heute im Volksmund genannt, wurde langsam zum Verlorenen Ort. Bei einem großen Brand im Jahre 1601 wurde es schwer beschädigt und danach nicht wieder aufgebaut. 1881 wurden die Ruinen abgetragen, es blieb nur der Bergfried. 1969 wurde auch er abgerissen.
Als das Schloss Eisleben noch eine Burg war, gehörte es zum Besitz der Grafen Salm-Luxemburg, später als Residenz dem Grafenhaus Mansfeld-Vorderort-Eisleben.
Über die Große Kuppenburg gibt es eigentlich gar nichts Konkretes zu sagen. Zu erkennen sind heute nur Wallreste und Bodenvertiefungen, es gibt weder Mauerreste noch Bodenfunde.
Das eine – Schloss Eisleben – ist also gut dokumentiert aber völlig verloren, das andere – die Große Kuppenburg – eine Sage, die durch das Bodendenkmal belegt ist.


Andere verlorene Orte
Viele der Burgen im Mansfelder Land leben nur noch als Einträge in alte Urkunden weiter. Andere dienten den umliegenden Dörfern als Steinbrüche. Die Mamburg oberhalb der Ortschaft Hettstedt dagegen musste dem Kupferschieferbergbau weichen, der hier seit dem Mittelalter betrieben wurde. Vielleicht hatte sie zunächst zum Schutz der wertvollen Bergwerke gedient, ist aber irgendwann überflüssig geworden.
So geht es auch heute noch vielen Dörfern und kleinen Städten, die dem Braunkohlenabbau im Wege sind. Beispiele finden sich im Westen im Rheinischen Braunkohlengebiet sowie im Osten Deutschlands in der Lausitz.


Links
http://www.harz-saale.de/Impressionen/Verlorene_Orte/verlorene_orte.html
Der Fasching hat das Rügegericht übernommen:
http://www.ausseerland.at/index.php?open=/kat/245kat.php
Klimaschwankungen der letzten tausend Jahre:
http://www.iac.ethz.ch/people/stefanbr/teaching/vorlesung1/
klimaschwankungen_41.pdf


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