Ausgabe Nr. 37                         Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung älterer Erwachsener
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Buddhismus –  hier und jetzt

                                                                    von Helmut Dörfler

Arbeitsteilung

Erfreulich, dass auch der LernCafe-Redakteur Roland Huber in dieser Ausgabe über Buddhismus schreibt und sich  mit den - neben dem Dalai Lama - hier im Westen wohl bekanntesten buddhistischen Zeitgenossen, dem vietnamesischen Mönch, Zen-Meister und Poeten  Thich Nhat Hanh befasst (siehe: „Spirituelle Globalisierung, Thich Nhat Hanh“). Den wohl nüchternsten Einstieg ins Thema bietet der Zen-(chinesisch: Chan-) Buddhismus. Er stellt die regelmäßige Meditationspraxis in den Mittelpunkt. Hierzu ein Zitat aus dem Buch von Shunryu Suzuki „Zen.Geist - Anfängergeist“: „Wenn wir daher über Religion sprechen, sollte dies in der alltäglichsten und umfassendsten Weise geschehen. Wir sollten nicht versuchen, unseren Weg  mit wunderbaren philosophischen Gedanken anzupreisen.. … Wenn ihr redliche Buddhisten sein wollt, ist der beste Weg, zu sitzen“ (japanisch: zu za-zen).

Weitere Eingrenzung

Dalai Lama;   Quelle: „Titelheft Buddhismus aktuell“

Beschränken wir uns ferner auf Buddhismus jetzt und hier, also im Westen. Schon Arthur Schopenhauer fand daran großen Gefallen - „Diese Religion (nämlich der Buddhaismus) welche sowohl wegen ihrer inneren Vortrefflichkeit und Wahrheit als wegen der überwiegenden Anzahl ihrer Bekenner als vornehmste auf Erden zu betrachten ist“ - oder Hermann Hesse und heute prominente Buddhisten wie Richard Gere, Tina Turner oder Alan Ginsberg. Aufschlussreich dazu ein Artikel von Alois Payer, Indologe an der Tübinger Uni mit dem Titel „Buddhismus im Westen. Beispiele aus Deutschland und den USA“. (siehe Links)

Zugang als Laie

Buddha, sitzend; Quelle: Deutsche Buddhistische Union

Buddhismus erschließt sich nicht (allein) durch Lesen. Sondern im gleichen Maße durch regelmäßiges Praktizieren im Alltag – allein, in Gruppen bei regelmäßigen Retreats oder gemeinsam mit Gleichgesinnten. Und durch Belehrungen, wie sie vom historischen Buddha Siddhartha Gautama (563 bis vermutlich 483 v. Chr.) überliefert werden. Der Prinz aus lokalem Adelsgeschlecht erlangte Im Alter von 35 Jahren Bodhi („Erleuchtung“, „Erwachen“) und wurde danach als Buddha (der Erwachte) bezeichnet.  Er lehrte bis zum 80ten Lebensjahr und brachte damit die buddhistische Lehre – das Dharma – in die Welt. Danach ging er in das endgültige Pari-Nirvana ( das Verwehen) ein. Nach traditioneller Überlieferung wird man als Laie Buddhist durch die „dreifache Zuflucht“ zu Buddha, zur Lehre (Dharma) und zu der Gemeinschaft jener, die Buddhas Lehre verwirklichen (Sangha).

Westlicher Buddhismus

Anagarika Govinda;  Quelle:Deutsche Buddhistische Union

Lama Anagarika Govinda (1898 bis 1985, bürgerlich Ernst Lothar Hoffmann) gründete 1933 den Orden Arya Maitreya Mandala, der sich auch in Deutschland etablierte.  Zitat: „Wir wollen unsere Mitglieder nicht zu kleinen Indern, Tibetern, Japanern oder Chinesen machen, sondern … zunächst einmal das Wesen unserer eigenen abendländischen Tradition und Kultur … begreifen, um davon ausgehend die Traditionen anderer Kulturen zu studieren und sie verstehend achten lernen.“ Payer kommentiert das so: Man wolle nicht den exotischen „Räucherstäbchen-Buddhismus“  kultivieren, sondern Buddhismus eher als Anleitung verstehen, „die Wirklichkeit selbständig anders anzuschauen.“  Ich erspare mir und den Lesern hier aus Platzgründen, die Vielfalt buddhistischer Schulen und Traditionen zu erläutern.

Weltreligion?

Zen-Kalligraphie;  Quelle: Deutsche Buddhistische Union

Mit weltweit etwa 375 Millionen Anhängern liegt Buddhismus auf Platz vier hinter Christen (etwa 2,1 Milliarden), dem Islam (etwa 1,3 Milliarden), dem Hinduismus (etwa 850 Millionen). Buddhismus war missionarisch nie aktiv. Durch seine vielfältigen Fortentwicklungen ähnelt er aus westlicher Sicht jedoch eher einer Denktradition oder Philosophie als einer Religion und umfasst auch eine höchst differenzierte Form der Psychologie. Nochmals Shunruy Suzuki, der berühmte japanische Zen-Meister, der 1958  Zen in die USA brachte und dort das erste Zen-Kloster außerhalb Asiens gründete: „Es ist in Ordnung, dass die Leute, die an ihrer Kultur zu sehr anhaften, kritisch sind. Ihre kritische Haltung bedeutet, dass sie zu der einfachen Wahrheit, die der Buddha hinterlassen hat, zurückkehren.“

Atheistisch?
Im Gegensatz zu den monotheistischen Religionen der Juden, Christen und Moslems kennt  Buddhismus keinen allmächtigen Gott oder eine ewige Seele. Dies und die Ignoranz des Kastensystems unterscheiden ihn auch von Hinduismus und Bramanismus, mit denen ihn hingegen die östliche Karmalehre verbindet. Der zitierte Alois Payer hat dazu einen reizvollen Vortrag ins Netz gestellt „Der Buddhismus – eine atheistische Religion“, der so schließt: „Buddhismus ist (im Sinne Luthers) insofern atheistisch, als für den Buddhisten alle Götter, auch der Gott der Juden, Muslime oder Hindus, Abgötter sind, wenn man sein Herz an sie hängt. Nebenbei verschwindet damit auch das Problem der Theodizee (Eugen Drewermann: „Ein Gott, der alles kann, aber nichts tut, ist nicht glaubwürdig angesichts von unendlich viel Leid auf Erden.“).
 
Vier Edle Wahrheiten
Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) bezeichnet sie als den Kern der Lehre des Buddha  und benennt sie so:
-           Wahrheit vom Leiden: Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
-           Wahrheit von der Ursache des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind Gier, Haß und Verblendung. Sie sind zu überwinden.
-           Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen. 
-           Wahrheit von dem Weg zur Aufhebung des Leidens: Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu gehen. 

Diese vier edlen Wahrheiten können als kürzester Ausdruck der gesamten Lehre des Buddha und als gemeinsamer Nenner aller buddhistischen Richtungen bzw. Schulen gesehen werden. Die genannte vierte Wahrheit beschreibt den praktischen Weg, der zur Leidensüberwindung führt, eben den genannten Achtfachen Pfad. (siehe Homepage der DBU)


Karma
„Buddhisten denken … in geologischen und paläontologischen Zeiträumen mit vielen Wiedergeburten. Darum hat man mit sich selbst und mit anderen viel Geduld.“ (A. Payer). Und Buddhisten denken nüchtern: Ich bin dem Alter unterworfen. Ich kann dem Alter nicht entgehen. Ich bin der Krankheit unterworfen. Ich kann der Krankheit nicht entgehen. Ich bin dem Tod unterworfen. Ich kann dem Tod nicht entgehen. Alles was mir lieb und angenehm ist, ist der Veränderung unterworfen Es gibt keine Möglichkeit, dem Getrenntsein von Liebem zu entgehen. Mein einzig wahrer Besitz sind meine Taten. Ich kann den Konsequenzen meiner Taten nicht entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe. (Buddha). Und die „Konsequenzen der Taten: Das ist mein persönliches Karma – eine Sichtweise, die uns eine wichtige Ursache von Leiden erkennbar macht.


Buddhistische Ethik
Wer sich auf Buddhismus einlässt, dem wird ein Training in Sittlichkeit vorgeschlagen Konkret sind das  die  fünf Achtsamkeitsübungen:

-    Achtung vor dem Leben
-    Großzügigkei
-    Sexuelle Verantwortung
-    Aufmerksames Zuhören und liebevolles Sprechen und
-    Achtsamer Umgang mit Konsumgütern, Vermeiden von Rauschmitteln.

Oder, wie die Deutsche Buddhistische Union es positiv zusammenfasst:
„Zu allen Wesen will ich unbegrenztes Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.“
Auf deren Homepage lässt sich auch nachzulesen über Erlösung und Erleuchtung, über Nirwana und das, was Thich Nhat Thanh „Intersein“ nennt: Die komplexe Vernetzung, das Allverwobensein aller universellen Phänomene.


Nachtrag
Connection – eine Zeitschrift fürs Spirituelle, hat mehrere Specials über Buddhismus veröffentlicht, darunter im März 01 die Ausgabe „Buddhismus im Westen“

Zugehörige Links:
www.payer.de
www.lama-govinda.de
www.cuke.com.
www.buddhismus-deutschland.de
www.connection.de

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