Ausgabe Nr. 37                         Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung älterer Erwachsener
Thema > Hintergründe >Ökumene
 
>Sitemap >Impressum
 

Ökumene
                                                                    von Hildegard Neufeld

Der Anfang
Das griechiche Wort „Oikoumene“ bezeichnet die von Menschen bewohnte Erde. Heute versteht man unter Ökumene die ganze christliche Welt und die Bemühungen, die durch Kirchenspaltungen getrennten Christen verschiedener Konfessionen zusammenzuführen, um auf der Grundlage des gemeinsamen christlichen Glaubens zusammenzuarbeiten.
Die ökumenische Bewegung nahm ihren Anfang in den reformatorischen Kirchen und festigte sich vor allem im 20.Jh. Es kam zu interkonfessionellen Zusammenschlüssen und weltweiten Arbeits- und Aktionsgemeinschaften von Christen und Kirchen.

Weltkirchenrat
Im Jahre 1948 wurde in Amsterdam der „Ökumenische Rat der Kirchen“ (ÖRK), der auch kurz als „Weltkirchenrat“ bezeichnet wird, gegründet. Der ÖRK hat seinen Sitz in Genf und ist eine Art Dachverband verschiedener Kirchen und Gemeinschaften. Oberstes Organ des ÖRK ist die Vollversammlung, die alle sieben Jahre zusammentritt. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, Anregungen zu geben, die Gemeinschaft der Kirchen zu fördern und zu vertiefen, den christlichen Dienst der Kirchen zu fördern und sich für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Mitglieder im ÖRK
Der ÖRK ist eine Gemeinschaft von mittlerweile 348 Kirchen in über 120 Ländern auf allen Kontinenten. Über 400 Millionen Christen sind im ÖRK vereinigt. Zum ÖRK gehören die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche Kirchen aus den historischen Traditionen der protestantischen Reformation wie Anglikaner, Baptisten, Lutheraner, Methodisten und Reformierte, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen.
Zu Gründungsbeginn waren es vor allem europäische und nordamerikanische Kirchen, die eine Mitgliedschaft eingingen. Heute sind es hauptsächlich Kirchen in Afrika, Asien, in    der Karibik, in Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum.
Die römisch-katholische Kirche gehört dem ÖRK nicht an, arbeitet aber in verschiedenen Arbeitsbereichen mit.

Charta  Oecumenica
Die Charta Oecumenica  enthält Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen Europas. Sie wurde vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) beschlossen und am 22.04.2001 in Straßburg unterzeichnet. Inzwischen ist sie von Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Gruppen in vielen europäischen Ländern angenommen worden und hat dort das ökumenische Zusammenleben gefördert.
Die Charta Oecumenica besteht aus 12 ökumenischen Leitlinien. Diese befassen sich mit der Einheit der Kirchen, ihrer Zusammenarbeit und ihrem gesellschaftlichen Auftrag in Europa und dem Verhältnis zu den anderen Religionen. Ihre Besonderheit besteht in der Selbstverpflichtung der europäischen Kirchen und ökumenischen Organisationen, die dafür verantwortlich sind, dass die ökumenischen Leitlinien im Miteinander mit Leben erfüllt werden.

Vereinbarungen
zu ökumenischen Partnerschaften zwischen Kirchen- und Pfarrgemeinden berücksichtigen die Leitlinien der Charta Öcumenica in ihrem verbindlichen Text.
Die Vereinbarung über eine ökumenische Partnerschaft zwischen Evangelischen Kirchengemeinden, katholischen Pfarrgemeinden und der Evangelischen Mennonitengemeinde hat z.B. folgenden Wortlaut:
Ökumenische Gemeindepartnerschaft
- will Selbstgenügsamkeit überwinden und ökumenische Gemeinschaft verbindlich  gestalten
- schafft Raum für Begegnungen, Dialog und Zusammenarbeit
- bedeutet, gemeinsam das Evangelium durch Wort und Tat zu verkündigen
- findet ihren Ausdruck im gemeinsamen Gottesdienst
- bedeutet karitativen und diakonischen Einsatz sowie soziale und öffentliche  Verantwortung
- unterstützt konfessionsverbindende Ehen und Familien
- entfaltet sich in hilfreichen Strukturen
- ist ein offener Prozess.

Gottesdienste
„Wir vereinbaren, in regelmäßigen Abständen im Verlauf des Kirchenjahres miteinander ökumenische Gottesdienste zu feiern (z.B. Wort-Gottes-Feiern, meditative Andachten, Taizé-Gebete, Schulgottesdienste), und verpflichten uns, füreinander und miteinander zu beten“, lautet die Ziff.4 der Rahmenvereinbarung der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen in Deutschland (ACK), Region Südwest. Wie wirkt sich dies in der Praxis aus?
Es hat sich eine Vielfalt von Konzepten, Initiativen und Aktionen herausgebildet, teils durch die unterschiedlichen Situationen bzw. Gegebenheiten bedingt. Ein Beispiel:
Im Dom zu Wetzlar teilten sich seit der Reformation Katholiken und Protestanten eine Kirche, getrennt durch den Lettner. Die einen beteten vorn im Chor, die anderen hinten im Schiff. Im 2.Weltkrieg zerstörte ein Bombenangriff den Lettner und beide Orgeln.
Es wurde nur eine Orgel gestiftet, aber sie  führte – zumal nun auch kein Lettner die Kirchenbesucher   trennte --  beide Gemeinden zusammen.

Soziale Dienste
„Wir wollen uns gegenseitig in unserem karitativen und diakonischen Dienst helfen. Wir verpflichten uns, in größtmöglicher Gemeinsamkeit unsere soziale und öffentliche Verantwortung wahrzunehmen“, lautet Ziff. 5 der Rahmenvereinbarung der ACK Region Südwest.
In zahlreichen bundesweiten Gemeinden wird ökumenische  Zusammenarbeit  bereits seit langem praktiziert. So berichtet beispielsweise die Ökumenische Sozialstation Bendorf-Vallendar e.V.: „Die Gründung der Ökumenischen Sozialstation im Jahre 1975 beruht auf einer Initiative der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden im Bereich Bendorf und Vallendar.“ 
Neue Initiativen und Projekte werden in Städten und Orten weiterhin  entwickelt und im Geiste der Ökumene in gemeinsamer Partnerschaft der Kirchengemeinden getragen.

Zusammenfassung

Ökumene realisiert sich in vielen konkreten Handlungen und Initiativen. Ökumenische Gottesdienste für Christen verschiedener Konfessionen, die gemeinsame Nutzung von Kirchenräumen, die in der Vergangenheit nur Christen einer Konfession vorbehalten waren, und soziales Engagement, das von verschiedenen Kirchengemeinden unterschiedlicher Glaubensrichtungen gemeinsam getragen wird, sind nur einige Beispiele und diese Beispiele nehmen zu.
Die ökumenische Bewegung verändert sich. Neue Formen ökumenischen Engagements entwickeln sich ebenso wie die stetig zunehmenden ökumenischen Einrichtungen, Initiativen und Aktionen. Ein weltumspannendes ökumenisches Netzwerk ist entstanden, in dem ein vielfältiger Austausch stattfindet, ein Austausch auf dem bereits   eingeschlagenen Weg mit dem Ziel: das Trennende zu überwinden und das Verbindende  zu unterstützen, zu fördern und zu bewahren.

Links:

http://www.ekd.de/oekumene/oekumene.html
http://www.katholisch.de
http://www.ack-suedwest.de
http://www.ekir.de/ack-sw/

Drucken